Dichtung und Wahrheit über das Jobwunder in Südhessen: „So erreicht die ppa eine sehr hohe Vermittlungsquote“

Administrator, 03 April 2006, 6 comments
Categories: Affäre PPA, Hartz 4, Wirtschaft

Ein wenig rätselhaft erscheinen die Vorgänge um einen Kooperationspartner des Jobcenters Bergstraße. Alle im Kreis Bergstraße gelegenen Schulungszentren der Personalpädagogischen Akademie ppa wurden letzte Woche von der Staatsanwaltschaft Darmstadt durchsucht und versiegelt.
Der Betrieb des Weiterbildungsinstituts wurde vorerst eingestellt. Grund soll die Strafanzeige eines ehemaligen Mitarbeiters sein. Angeblich seien Raubkopien von Computerprogrammen verwendet worden.
Eine Internet-Recherche nach der ppa fördert viel Material zutage, das Bild des Unternehmens bleibt gleichwohl etwas im Dunkeln.
Die Internetpräsenz www.ppa-personalakademie.de nennt im Impressum zwar eine Adresse in München, allerdings keinen Namen.
Es sind Bilder der Teams zu sehen (darunter ein sog. „Headquarter“), aber auch hier bleiben die Namen der Mitarbeiter bzw. der Dozenten ungenannt.
Die einzigen Namen, die (zusammen mit einem Bild) genannt werden, sind die Namen von Absolventen eines Berufs-Integrations-Seminars der ppa.
So schreibt eine Erika Klein:“Ich möchte mich noch recht Herzlich bedanken für alles was sie für mich getan haben.
Da muss ich sagen so etwas habe ich noch nie erlebt. Es ist einfach ein tolles Gefühl, wenn man geholfen bekommt.
Bisher habe ich immer sehen müssen wo ich bleibe. Es ist einfach Wahnsinn wie sie und ihr Team Menschen helfen, ihr könnt stolz auf euch sein.
Aber was ich nicht verstehen kann, sind die Menschen die diese Chance, nicht nutzen.
Bleibt bitte alle wirklich wie ihr seid, auch Herr Meier und so weiter. Ich werde mir alle Mühe geben es zu schaffen, denn es geht wenn man nur dran bleibt
.“
Ein Mario Kaiser sagt: „Vor der ppa war ich ein zurückhaltender Typ, ich war ein Einzelgänger, der mit niemanden etwas zu tun haben wollte. […] Seit ich Teilnehmer der ppa bin, gehe ich ganz anders mit den Menschen um.“
Ohne das Personal der ppa wäre er, Zitat, „wahrscheinlich immer noch so ein ziellos umherlaufender Roboter.“
Ein Sascha Lay schreibt: „Die Dozenten der ppa sind meine Glücksbringer und Wegweiser, denn ohne sie hätte ich, denke ich mal, den Weg in die Gesellschaft nicht wieder gefunden.

Auf odenwald-netz.de wird die ppa ebenfalls vorgestellt, dort wird auch der Name des Firmeninhabers genannt:

> „Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, Menschen, die einen Job suchen, zu helfen, ihnen den Weg zu ebnen und Brücken zu bauen“, stellte Alberto Meier, Inhaber der „ppa – personal pädagogische akademie“, bei der Feier zur offiziellen Eröffnung des Wald-Michelbacher Schulungs- Centers fest.[…]
Mit dem Schulungs-Center in Wald-Michelbach, dem dritten im Kreisgebiet, sei etwas geschaffen worden, so Meier, von dem er sechs Monate zuvor, als er nach Hessen gekommen sei, nie zu träumen gewagt hätte.
Herzlich bedankte er sich bei seinem engagierten Team, das mit viel Herzblut bei der Sache sei und die Teilnehmer der Maßnahmen mit großem Einfühlungsvermögen und Sachverstand betreue. Das galt im Besonderen für Deriya Yildiz, die Leiterin des Wald-Michelbacher Centers.[…]
Erster Kreisbeigeordneter Jürgen Lehmberg freute sich ebenfalls sehr über die Eröffnung des dritten Schulungscenters im Kreis Bergstraße und beglückwünschte die ppa zum gelungenen Ambiente.
<

Zuletzt heißt es selbstgewiss: >Auch im anschließenden dreimonatigen Praktikum werden die Klienten der ppa von den Mitarbeitern der Akademie begleitet, regelmäßige Interviews sorgen dafür, dass Fortschritte aber auch Rückschläge zeitnah erfasst werden. Parallel dazu finden auch Gespräche mit den Arbeitgebern statt, die sich vor Aufnahme eines Praktikums auch verpflichten müssen, bei gutem Verlauf dem Praktikanten auch mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Arbeitsplatz zur Verfügung zu stellen. So erreicht die ppa eine sehr hohe Vermittlungsquote.<

Auf der Seite sind auch Bilder der Schulungszentren zu sehen. Eines zeigt das team der ppa, das in seltsamen Fräcken und Hüten für den Fotografen posiert.

Über den ppa-Inhaber Alberto Meier, den der Wald-Michelbacher Bürgermeister Joachim Kunkel einen „sehr positiven Menschen“ nennt, finden sich im Internet zahlreiche weitere Seiten.

Das Unternehmen „New Job Generation“ (newjobgeneration.de) nennt seinen Namen im Impressum, allerdings ist dort Vor- und Nachname vertauscht: Meier Alberto – Gesellschafter CEO – Chief Executive Officer.

Die angegebene Münchner Adresse stimmt mit der (namenlosen) Adresse im Impressum der ppa-Website überein.

Das Unternehmen scheint zu florieren, denn man sucht Personalvermittler:

Wir von New Job Generation suchen innovativ denkende und arbeitende Menschen
als selbständige Partner. Ihre Qualifikation und Ihr Engagement, die Fähigkeit
zu eigenverantwortlichem Handeln in die gemeinsame Sache einzubringen,
brauchen wir, damit unser Konzept alle Menschen in Deutschland erreichen kann. Mit Ihrer Berufserfahrung bilden wir Sie zum Personalvermittler aus
.“

Auf der Schweizer Website moneyhouse.ch war bzw. ist ebenfalls eine Firma aufgeführt, die von einem Alberto Meier geführt wurde: PBG Consulting.
Die Firma mit Sitz in Dornach wurde dort am 24. 10. 1997 eingetragen.
Tätigkeitsprofil: Personalberatungen, Betriebswirtschaftliche Analytik, graphologische Gutachten und allgemeine Beratungen.
Eingetragene Personen: Meier, Alberto, Heimat: Basel.

Ein neuer Eintrag auf moneyhouse.ch vom 22. 4. 2005 informiert, dass die Firma („Personalberatungen, betriebswirtschaftliche Analytik usw.„) nicht mehr existiert: „Der Geschäftsbetrieb hat infolge Wegzugs des Inhabers aufgehört. Die Firma wird im Sinne von Art. 68 Abs 1 HRegV von Amtes wegen gelöscht.“

Comments

6 Responses, Leave a Reply
  1. Pusemuckel
    03 April 2006, 10:16

    Schön. Hier kann der Steuerzahler nachlesen, wo die ganzen Steuersubventionen hingehen. Schade nur, dass der Steurzahler im allgemeinen sich noch gar nicht bewusst ist, wie er hintergangen wird. Der Steuerzahler wird ja nur auf Hartz IV-Empfänger aufgehetzt. Die sind an allem schuld und verursachen auch so viel Kosten. Das aber den Hartz IV-Empfänger mehr oder weniger systematisch das ihnen zustehende Geld zum überleben vorenthalten wird – das fällt kaum einem auf. Zuerst wird der Arbeitslose willenlos gemacht (fast alles, wogegen man sich wehren möchte wird inzwischen gerne als Kürzungsgrund für Drohkullissen oder tatsächliche Taten benutzt) und danach können sich andere durch zweifelhafte Hilfs-Unternehmen an den öffentlichen Geldern bedienen. Es ist doch ein alter Hut. Wer eine Weiterbildung haben möchte, bekommt sie nicht. Wer keine Weiterbildung haben möchte oder mit dem Niveau der ihm angebotenen Weiterbildung undzufrieden ist (Wie-komme-ich-ins-Internet für Akademiker), der muss den Scheiss durchziehen oder wird gekürzt. Im Odenwald wurden ja nur etwa 50% der zur Verfügung stehenden Geldmittel für Integration von Arbeitslosen in Anspruch genommen. Und ich gehe davon aus: Von diesen 50% waren bestimmt 2/3 bis 3/4 völlig sinnlos ausgegeben. Mit sinnlos meine ich: Keine Weiterbildungsmaßnahme, die dem jeweils betroffenen innerhalb seines Berufsfeldes inclusive Vorgeschichte, Vorerfahrung und Zielmöglichkeiten auch nur einen Schritt weitergebracht haben.

    Es ist inzwischen ein riesiger Wirtschaftszweig um die Integration und Weiterbildung von Arbeitslosen entstanden. Alle möglichen Unternehmen buhlen um die Gunst von Arbeitsämtern, Jobcentern und Optionsmodellen. Der Mensch an sich bleibt dabei völlig ausser acht.

    Ich erinnere in diesem Zusammenhang an die BAW im Odenwald. Die BAW entstand einst aus der Volkshochschule. Die Volkshochschule selbst gehört zum Kreis. So entsteht der Eindruck von einem vielfältigen Markt. Aber es dürfte klar sein, wer da alleinig die Fäden in der Hand hält und wirklich steuert.

    Auf der Strecke bleiben altbewährte Institute wie z.B. die F&U, welche es auch in Michelstadt schon seit fast Jahrzehnten gibt. Von dieser Institution habe ich noch nie wirklich was schlechtes gehört. Aber der Integration- und Bildungsmarkt ist mörderisch geworden. Und so manch ein Dozent bei bestimmten Bildungsintituten wird massiv unter Druck gesetzt, alles mitzumachen. Viele der Dozenten bei bestimmten Instituten kommen selbst aus einer langjährigen Arbeitslosigkeit und lassen sich fast alles gefallen, damit sie ihren Job behalten können.

    Wichtig ist es, den Köpfen der dubiosen Gesellschaften an den Kragen zu gehen. Im Odenwald ist das Jobcenter gleichzeitig Überwachungsorgan für die freien Träger von Integration und Bildung. Dies hat 2 Dinge zur Folge. 1) Das Jobcenter kann quasi bestimmen, welcher Träger zugelassen wird und zu welchen Bedingungen er zugelassen wird. 2) Durch die enge Verflechtung zwischen Trägern und Jobcenter ist es für einen Arbeitslosen kaum möglich, sich zur Wehr zur setzen. Das Jobcenter ist meiner Erfahrung nach nur darauf aus, Kürzungsgründe zu finden. Wer sich da gegen einen vom Jobcenter installierten Träger auflehnt, hat beim Jobcenter entsprechend schlechte Karten.

  2. […] :04. Kategorien: Unbestimmt, Hartz 4 Es braucht kaum 60 Minuten, um durch eine Recherche im Internet leise Zweifel an der Seriosität der “Personalpädagogischen Akademie&#8221 […]

  3. Der Hammer
    25 Juni 2006, 2:38

    Ich finde es einen Hammer was man sich hier mit so manchen Bildern erlaubt. Die Gruppe die man hier als Team der ppa beschreibt ist eine Gesangsgruppe die für die Eröffnung des Zentrums in Wald-Michelbach verpflichtet wurde. Wenn man solche Artikel veröffentlicht, sollte man sich doch bitte vorher erkundigen. Da ich selbst Mitglied in dieser Gruppe bin, finde ich es eine grosse Sauerei.

  4. - Odenwald Geschichten
    01 November 2006, 11:34

    […] en “Kooperationspartner” des Jobcenters Bergstrasse. In diesem Artikel (”Dichtung und Wahrheit über das Jobwunder in Südhessen“) wurde das Ergebnis einer ca. 30minütig […]

  5. Kauer Johann
    19 Oktober 2007, 3:07

    15 Monate später!

    Ist es denn so einfach alles zu vergessen das Menschen ein Spielball eines Mannes waren dessen Argumente denen einer bekannten Sekte gleichen? Haben die Argen immer noch nicht begriffen das Hartz IV nicht gleich zu setzen ist mit Mensch zweiter Klasse? Hartz IV in der heutigen Zeit heißt Menschen die leben wollen in den Ruin treiben und vernichten? Leider haben viele die Problematik nicht begriffen das Hartz IV eine Hölle werden kann besonders wenn es um Kinder geht oder jemand krank wird! Denn unsere Politiker können schlemmen und sich mit Steuergeldern gesund ernähren und Wellness treiben! Alle Kosten steigen Hartz IV nicht! Bei Krankheit droht ein gewaltiger Absturz ins Bodenlose! Politik ist einfach wer Geld hat darf bestimmen wo es lang geht! Angebote gibt es kaum die Menschen benötigen! Leben mit dem was der Staat einen Hartz IV Empfäger zugesteht ist  nur noch unter Verlust der Gesundheit möglich! Unsere Politiker sollten einmal versuchen mit theoretisch 345 € versuchen gesund zu leben! Sie können es nicht denn der Überlebenskampf ist Ihnen fremd! Für einen Hartz IV Empfänger ist dies aber der Alltag!

  6. Johann Kauer
    13 April 2010, 4:10

    Jahre später hat unsere Politik immer noch nicht gelernt das Hartz IV nicht Mensch 2.ter Klasse ist. Unser Vizekanzler hat ein großes Mundwerk obwohl er keinen Plan hat. Unsre Kanzlerin läßt zu das Kinder die in Hartz IV leben dafür bestraft werden obwohl die Politik versagt hat. Inwieweit sich das ändert steht in den Sternen. Denn jeder der in Hartz IV kommt ist der Prellbock der Nation. Siehe ppa die Menschen was gutes wollte ( den Geldbeutel des Alberto Meyer füllen ). Dieser Mann ist nicht zu ergreifen da er nicht mehr für die New Job Generation tätig ist sondern sich wieder anderweitig Dumme gesucht hat.
    http://www.uniquepeople.ch/berater/kandidatenresultat.asp?kontaktperson=Alberto%20Meier
    Die Staatsanwaltschaft tritt auf der Stelle weil unsere Politiker lieber auf den kleinen und schwächsten herum trampeln wollen. Einige der sogenannten Intelligenten denken das alle die Hartz IV bekommen Arbeitsfaul sind. Sie sollten auch nach Leistung bezahlt werden unsere Volksvertreter dann würden die sogar noch bezahlen müssen um in der Politik zu sein. Fehler werden nicht zugegeben die gemacht wurden. Siehe Ex Kanzler Schröder oder ein gewisser Gabriel. Das Volk sind die Menschen die in einem Land leben oder? Warum gehen denn immer weniger zum wählen? Ist doch klar denn es gibt ein Sprichwort:

    Nur die dümmsten Kälber wählen ihren Schlächter selber!

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