Rückblick 2002/2003: Darmstädter Echo bilanziert das Gersprenz-Desaster


Es werden hier in loser Folge ältere Berichte veröffentlicht werden. Der folgende Text ist einem Artikel des Darmstädter Echo zum Jahreswechsel 2002/2003 entnommen:

>Die als Modellprojekt gepriesene gemeinnützige „Gersprenz“-Seniorendienstleistungs-GmbH ist finanziell nahezu bankrott…Erst nach und nach kommt heraus, was den Bürgermeistern und dem Landrat als Kontrolleuren im Kleeblatt nicht aufgefallen ist: Gelder, die für den Bau neuer Heime bestimmt waren, sollen genommen worden sein, um Kosten im zu teuren Pflegebetrieb zu decken. Überhöhte Ausgaben in Technik und Personal sollen ein Minus von fast zwei Millionen Euro ergeben haben…Auch davon, dass der Geschäftsführer als angeblich Hauptschuldiger langfristig krankgeschrieben sei und nicht mehr an seinen Arbeitsplatz zurück kommen werde, erfährt die Öffentlichkeit erst nach Anfragen dieser Zeitung…Warum konnten die Kontrolleure den Millionen-Schaden nicht verhindern? Warum verzichteten sie auf Wirtschafts- und Stellenpläne, obwohl diese vorgeschrieben sind? Was qualifizierte den scheinbar überforderten Geschäftsführer für sein Amt, das er ohne öffentliche Ausschreibung erhielt? Welche Hinweise gab es im Vorfeld, wie wurde damit umgegangen? Fragen über Fragen…Was bedeutet all dies für die Bürger? Sie werden vermutlich zur Kasse gebeten. Weil die „Gersprenz“ aus eigener Kraft das Minus nicht ausgleichen kann, werden Eppertshausen, Münster, Groß-Zimmern, Otzberg, Groß-Umstadt, Fischbachtal, Groß-Bieberau und Reinheim ihre Stadtkasse wohl öffnen und Geld nachlegen müssen.<

GAZ-Schule Reichelsheim: Die schildbürgerliche Elternbefragung und eine zwiespältige Prognose


So würden sich rund 35 Prozent der Eltern mit Abiturwunsch für den Übergang ihres Kindes in die Georg-August-Zinn-Schule entscheiden.“
Dies ist das vom Odenwälder Echo berichtete Ergebnis einer großen Elternbefragung, die der Kreistag Ende Mai in Auftrag gegeben hatte. Bedeutet das, dass 65% der Eltern mit Abiturwunsch ihre Kinder zu anderen Schulen schicken wollen?
Der in Reichelsheim ansässige Pressedienst pdh schreibt zu der Fragebogenaktion:

„Nur die Frage, um die es seit Monaten ging, wie soll die nicht beliebte Schule umgestaltet werden, damit die Eltern ihre Kinder an diese eine, teure, politisch stark unterstützte, wenig frequentierte Integrierte Gesamtschule schicken, wurde nicht beantwortet. Sie war auch nicht gestellt worden!
Den Betrag von 36.000,- Euro hat der Landkreis definitiv in den Sand gesetzt, eine Befragung von 1027 Eltern veranlasst, um die wichtigste Frage nicht zu stellen. Man wird es später Schilda II nennen, was dort passiert ist … Besser sollte einmal nach den wirklichen Beweggründen der Eltern gefragt werden, die sich sicherlich Gedanken darüber gemacht haben, warum sie ihre Kinder in Schulbusse oder Linienbusse setzen und die Kids bis zu 30 Minuten entfernt zur Schule gehen lassen, als das Angebot vor Ort anzunehmen. Die Experten haben auch dazu etwas geschrieben und gesagt. Doch das befindet sich nicht im ausgedruckten Text.“

Todesschüsse in Hotelküche: Ein in Rehbach wohnender Mann erschoss seine Ehefrau

am Samstagabend (14. 9. 02) im Erbacher Stadtteil Erlenbach „Verübt worden ist die Bluttat in der wegen der Vorbereitungen für ein Hochzeitsbankett vielzählig besetzten Küche des Restaurants ‚Erlenhof‘.“ Kurz danach war der Täter offenbar mit hohem Tempo auf den Erbacher Marktplatz gefahren, wobei einige Passanten „nur knapp“ verfehlt worden seien. Anschließend stellte sich der aus der Türkei stammende Täter der Polizei. Quelle: Echo

Wörtlich heißt es im Odenwälder Echo:

>Allen Anzeichen nach hat ein 55 Jahre alter Mann am Samstagabend im Erbacher Stadtteil Erlenbach seine fünf Jahre jüngere Frau umgebracht.
Verübt worden ist die Bluttat in der wegen der Vorbereitungen für ein Hochzeitsbankett vielzählig besetzten Küche des Restaurants „Erlenhof“, wo die Fünfzigjährige als Hilfskraft beschäftigt war.
Ihre Kolleginnen und Kollegen mussten entsetzt miterleben, wie der Täter gegen 18.30 Uhr den Arbeitsraum betrat und mit einer Pistole unmittelbar mehrere Schüsse auf die Frau abfeuerte, die auf der Stelle getötet wurde. Der wenige Minuten später eintreffende Notarzt konnte nichts mehr für sie tun.
Wie zu erfahren war, hat das Opfer zusammen mit seinem Mann im Michelstädter Stadtteil Rehbach gelebt. Beide sind türkischer Herkunft. Der mutmaßliche Täter befindet sich in Gewahrsam, nachdem er nach der Tat selbst zur Polizeidirektion an der Erbacher Lustgartenstraße gefahren war – offenbar um sich zu stellen.
Jedenfalls leistete der den Beamten der Dienststelle keinen Widerstand, als die ihn aufforderten, seine Waffe wegzulegen und sich festnehmen zu lassen. Trotz der folgenden Vernehmungen blieb das Motiv des Mannes am Sonntag noch im Ungefähren. Es dürfte in den persönlichen Belangen der Eheleute liegen.
Wie sich dem Bericht von Polizei-Pressesprecher Reinhard Ihrig entnehmen lässt, trägt das Gewaltverbrechen die Merkmale einer Blitzaktion. Denn so unvermittelt der Täter von einem Nebeneingang her in der Gasthausküche erschien, so schnell verschwand er dort auch wieder.
Und obwohl der Mann nur Minuten später im Hof der Polizei vorfuhr, beschwor er wohl zwischenzeitlich auf dem Erbacher Marktplatz eine weitere brenzlige Situation herauf.
Wie Zeugen berichten, raste nämlich am Samstagabend zur betreffenden Zeit ein Auto mit vollem Tempo auf das Areal am Schloss, das zu diesem Zeitpunkt wegen des vorausgegangenen Einweihungsfestes für das neue Studio des Hessischen Rundfunks und einer Oldtimerpräsentation noch stark bevölkert war.
Dabei rammte der Wagen mehrere Aufbauten und verfehlte einige Besucher nur knapp, weshalb einige von ihnen die Tür des zum Stehen gekommenen Wagens öffneten, um den Verantwortlichen zur Rede zu stellen.
Wie sich beim späteren Vergleich der Autokennzeichen herausstellte, muss es sich bei dem Fahrer um den Mann gehandelt haben, der wenige Minuten zuvor in Erlenbach die tödlichen Schüsse abgegeben hatte.
Wenn die Passanten das geahnt hätten, wären sie wohl vorsichtiger vorgegangen – so aber sahen sie sich bei ihrem forschen Einschreiten dem Vernehmen nach plötzlich einer vorgehaltenen Pistole gegenüber.
Als sie die Tür daraufhin geistesgegenwärtig wieder schlossen, brauste der Mann davon – nun wohl direkt in den unweiten Hof der Polizeidirektion. Dort stieg er, immer noch mit der Waffe in der Hand, aus, traf aber glücklicherweise auf ebenso entschlossen wie kühl reagierende Polizisten, die das Risiko weiteren Blutvergießens abwendeten.
Nach ersten Vernehmungen wurde der mutmaßliche Täter gestern dem Haftrichter vorgeführt. Von der Anordnung von Untersuchungsgefängnis war dabei auch deshalb auszugehen, weil die Ermittlungen einen Mordverdacht einbeziehen.
Mit diesen hatte die Polizei unmittelbar nach der Tat angesetzt und zur Spurensicherung unter anderem weite Teile des Tatorts abgesperrt ; die im Restaurant angesetzte Hochzeitsfeier wurde in ein anderes Lokal verlegt.< Quelle: Odenwälder Echo, Todesschüsse in Hotelküche - Polizei-Pressesprecher: Verbrechen trägt Merkmale einer Blitzaktion, 15. 9. 2002

EFFZ: Luftnummer in Michelstadt, Filmriss in Grimmen, Insolvenzverfahren in Darmstadt

Der „Medien-Unternehmer“ Karl-Heinz Balzer aus Würzberg / Michelstadt versprach auch der vorpommerschen Provinz sein „Europäisches Film- und Fernsehzentrum“ (EFFZ) .
Dass man dort etwas schlauer war als der Odenwälder Landrat Schnur, der sich aus der Sicht mancher Außenstehender für eine dubiose PR-Kampagne leichtfertig einspannen ließ, zeigt ein Artikel aus der Ostsee-Zeitung vom 7. Juni 2001. Im Odenwald müssen laut „Michelstadt aktuell“ nun zahlreiche kleine und mittlere Anleger um ihre Einlagen in das mittlerweile insolvente EFFZ bangen.

Nachfolgend der Bericht der Ostsee-Zeitung:

>Grimmen/Michelstadt (OZ) Große Pläne für Grimmen. Nur, was daraus wird, bleibt vorerst schleierhaft. Der Medien-Unternehmer Karl-Heinz Balzer aus Michelstadt im Odenwald will in Vorpommern ein “Europäisches Film- und Fernsehzentrum” (EFFZ) aufbauen (OZ berichtete). 800 Arbeitsplätze. 100 Millionen Investitionen. Balzer will Unterhaltungs-Sendungen im Format von “Wetten dass” oder “Musik für Millionen” drehen.

Auf den Nordosten sei er durch Zufall gekommen. Auf der Expo in Hannover habe er Grimmens Bürgermeister Dieter Freimuth (CDU) kennen gelernt und sich wegen der Ostsee-Nähe für den Standort interessiert. Bekannt wurden die Pläne Anfang Mai. EFFZ-Manager Gerd Strauß sprach davon, bereits im Oktober in Grimmen produzieren zu wollen.

Mittlerweile jedoch sind Zweifel aufgekommen, ob das Projekt jemals realisiert wird. Balzer hat bereits vor zwei Jahren seiner Heimat Michelstadt ein Filmzentrum versprochen. Der dortige Bürgermeister Reinhold Ruhr (parteilos), der mit Balzer befreundet war, sagt: “Daraus ist niemals etwas geworden. Das ist schon eine tragische Geschichte. Wir glauben, der hat seine Investoren nicht gekriegt.”

Als die Stadt die Bauplanung im Sinne Balzers ändern wollte, zog der zurück. Begründung: Im Osten gebe es Fördergelder. Nur: Weder in der Schweriner Landesregierung noch bei der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung ist das Projekt bekannt. Gerd Lange aus dem Wirtschaftsministerium: “Das hört sich dubios an. Es liegt kein Antrag vor. Es gibt auch keinen Kontakt.” In Grimmen hat Balzer erzählt, dass er das EFFZ nicht mit öffentlicher Hilfe finanzieren will. Bürgermeister Freimuth: “Auf Fördergelder sollte verzichtet werden, da man dann größere Freiräume hat.”

Warum also Grimmen? Balzer sagt, dass die Stadt wegen des Grundstücks, der Ostsee-Nähe und der Autobahnanbindung optimal sei. Referenzen, die er nennt, sind jedoch mit Skepsis zu betrachten. Bisher habe EFFZ die Miss Germany-Wahl in Berlin vor einem Jahr sowie den Unicef-Millenniums-Event auf Mallorca produziert, sagt Balzer-Intimus Strauß. Ralf Klemmer, Chef der Miss Germany Corporation in Oldenburg, dementiert das: “Die Wahlen haben wir produziert. Herr Balzer hat ein Video gedreht, das ans Fernsehen verkauft werden sollte, aber nie veröffentlicht wurde.” Und die Unicef-Gala scheint mit einem Rechtsstreit zu enden.

Die Münchener TV-Produzentin Nina Sternberg (45) – seit 20 Jahren im Geschäft – hat beim Landgericht Darmstadt Strafanzeige gegen Balzer gestellt. 400 000 Mark soll der veruntreut haben. Sternberg behauptet: “Der ist noch während der Gala mit den Eintrittsgeldern abgehauen. Mitten in der Nacht. Plötzlich war der weg.” Balzer hingegen wirft der Münchnerin vor, ihm noch Geld zu schulden. An den Vorwürfen sei nichts dran. Er selbst bereite gerade eine Anzeige gegen Frau Sternberg vor.

Karl-Heinz Balzer versteht die Zweifel nicht. “Ich habe niemandem etwas versprochen”, sagt er. In der Pressemitteilung des EFFZ vom 2. Mai heißt es jedoch: “Jetzt steht es fest. In Grimmen wird das Europäische Film- und Fernsehzentrum mit vier Studios entstehen.”Versprechen oder Versprecher?

Denn jetzt ist alles, was schon in Sack und Tüten zu sein schien, wieder vage und offen. EFFZ sieht sich in Grimmen nach einem Bauplatz mit mindestens 100 Quadratmetern Fläche um. Aber auch andere Standorte wie Kronskamp, Süderholz und Stralsund sind plötzlich im Gespräch. Balzer: “Ja, wir sind auf Grundstückssuche in Grimmen. Die Finanzierung über Investoren ist komplett. Daher müssen wir nach Ausweichmöglichkeiten suchen.” Hintergrund: Die Bürgermeisterwahl sei schuld, da sich der alte Bürgermeister Dieter Freimuth und der neue Benno Rüster (CDU) nicht grün seien. “Die reden nicht miteinander und wir hängen in der Luft”, sagt Balzer.

Welche Shows einmal in Grimmen gedreht werden sollen, darüber ist noch gar nichts zu erfahren. Beim EFFZ heißt es nur, die Unterhaltungsbranche sei ein enormer Markt mit riesigen Wachstumschancen. <